Kernlochdurchmesser für Gewinde richtig wählen

Wie du den Kernlochdurchmesser für metrische Gewinde bestimmst: Formel D minus P, Bohrerrundung, Furchen statt Schneiden und Grenzen der 6H-Einordnung.

Der richtige Kernlochdurchmesser ist beim metrischen Regelgewinde zuerst eine einfache Rechnung: Nenndurchmesser minus Steigung. In der Werkstatt zählt danach aber der lieferbare Bohrer, und genau dort entstehen die kleinen Abweichungen, die eine Tabelle oder ein Rechner sauber ausweisen muss.

Der Gewinde-Kernloch-Rechner übernimmt diese Schritte für metrische ISO-Regelgewinde M3 bis M24. Die Kernlochdurchmesser-Tabelle zeigt die Werte als Nachschlagehilfe.

Erst klären: Schneiden oder Furchen

Beim Gewindeschneiden nimmt der Gewindebohrer Material ab. Das Kernloch liegt deshalb nahe an D - P, also Nenndurchmesser minus Gewindesteigung. M8 hat D = 8 mm und P = 1,25 mm; der Formelwert ist 6,75 mm, der bevorzugte Bohrer im Referenzdatenbestand 6,80 mm.

Beim Gewindefurchen wird Material verdrängt. Der Furcher formt die Gewindeflanken spanlos aus und braucht mehr Platz im Kernloch. Der Rechner nutzt dafür:

Kernloch Furchen = D - 0,5 x P + 0,05

Diese Formel ist als Hersteller-/Praxiswert eingeordnet, nicht als Normpunkt. Für ein Serienbauteil oder einen schwer zerspanbaren Werkstoff zählt die Furcher-Empfehlung des Herstellers.

Warum D minus P funktioniert

Das metrische ISO-Gewinde basiert auf einem 60-Grad-Grundprofil. Aus der Steigung P ergibt sich die Profilhöhe; daraus folgt der theoretische Kerndurchmesser D1 des Innengewindes:

D1 = D - 1,082532 x P

Das ist nicht derselbe Wert wie der Bohrer. Der Bohrer nach D - P liegt größer als D1 und erzeugt dadurch eine praxisgerechte Tragtiefe. Der Quellenabgleich zeigt für die Faustformel eine konstante rechnerische Tragtiefe von rund 92,4 %. Deshalb funktioniert sie für metrische Regelgewinde so robust.

Die Formel darf trotzdem nicht blind auf jedes Gewinde übertragen werden. Feingewinde brauchen ihre eigene Steigung, Zoll- und Rohrgewinde ihre Gewindegänge pro Zoll beziehungsweise ihre jeweilige Steigungstabelle. Für diese Gewindearten liegen in der aktuellen MetallTools-Spezifikation noch keine freigegebenen Datenmodule vor.

Der Bohrerwert ist manchmal gerundet

Bei vielen Regelgewinden ist der Formelwert direkt ein gängiger Bohrer: M6 ergibt 5,00 mm, M10 ergibt 8,50 mm, M16 ergibt 14,00 mm. Bei M8 und M12 entsteht ein krummes Maß:

GewindeFormelwert D - Pbevorzugter BohrerEinordnung
M86,75 mm6,80 mmauf lieferbares Bohrermaß gerundet
M1210,25 mm10,20 mmauf lieferbares Bohrermaß gerundet

Beide Werte liegen innerhalb der 6H-Einordnung. Kritisch wird es, wenn eine Tabelle nicht nur rundet, sondern deutlich danebenliegt. Für M12 wurde im Research ein frei zugänglicher Wert von 10,50 mm gefunden; dieser liegt oberhalb des dort berechneten 6H-Felds. Der geplante FAQ-Nachtrag erklärt diesen Fehlerfall separat und soll vom Rechner aus prominent verlinkt werden.

D1 ist nicht d3

Eine häufige Verwechslung betrifft D1 und d3. D1 ist der Kerndurchmesser des Innengewindes, also die richtige Größe für die Kernloch-Einordnung. d3 gehört zum Aussengewinde. Wer für das Kernloch die d3-Formel nutzt, bohrt zu klein.

Bei M10 zeigt sich der Unterschied deutlich:

D1 = 10 - 1,082532 x 1,5 = 8,376 mm
d3 = 10 - 1,226869 x 1,5 = 8,160 mm
Bohrer nach D - P = 8,50 mm

8,16 mm wäre für ein M10-Kernloch zu eng. Der Gewindebohrer müsste deutlich mehr Material abnehmen; das erhöht die Werkzeuglast und das Bruchrisiko.

Grenzen der 6H-Aussage

6H ist ein übliches Toleranzfeld für metrische Innengewinde. Der Rechner weist darauf hin, rechnet aber im Ergebnisblock noch kein vollständiges Toleranzband für jede Steigung aus. Der Grund ist bewusst dokumentiert: Im Quellenabgleich sind TD1-Werte für P = 1,0 / 1,25 / 1,5 direkt belegt; weitere Steigungen brauchen vor einer harten D1max-Ausgabe die Nachverifikation an ISO 965-1.

Für die Praxis heißt das: Der Rechner liefert einen belegten Kernlochbohrer für metrische Regelgewinde, aber die Fertigungszeichnung bleibt führend. Wenn dort ein anderes Toleranzfeld, eine Beschichtung, ein Sondergewinde oder ein bestimmter Gewindeformer vorgeschrieben ist, gilt diese Vorgabe.

Einordnung

Die Normtexte wurden nicht im Volltext eingesehen oder nachgedruckt. Zoll- und Rohrgewinde (UNC/UNF, G/R) behandelt diese Seite nicht.

Quellen