Blechabwicklung für 90-Grad-Kantung berechnen

Berechne die gestreckte Länge einer 90-Grad-Kantung aus Außenmaßen, Blechdicke, Innenradius und CAD-K-Faktor.

Außenmaß bis zur gedachten scharfen Ecke, nicht Innenmaß.
Außenmaß bis zur gedachten scharfen Ecke.
Materialdicke. Der K-Faktor wird aus r/s abgeleitet.
Innenradius der Biegung.
Aktuell technisch auf die verifizierte 90°-Kantung begrenzt. Andere Winkel werden erst nach Norm-/Beiblatt-Prüfung berechnet.
Nur nutzen, wenn eigene Werkstattwerte eingemessen sind.
Gestreckte Länge18,08 mm
Biegezugabe BA2,08 mm
Ausgleichswert v-1,92 mm
Verwendeter CAD-K-Faktor K0,33
Entsprechender DIN-6935-k-Wert0,65
  • CAD-K-Faktor und DIN-6935-k sind nicht dieselbe Zahl: K_CAD = k_DIN / 2.
  • Der Biegewinkel ist bewusst auf 90° festgesetzt; andere Winkel sind bis zur Norm-/Beiblatt-Prüfung nicht freigegeben.
  • Der berechnete K-Faktor hängt vor allem von r/s ab. Ein einzelner Werkstoffwert ist eine Scheingenauigkeit.
  • Eigene Werkstattwerte haben Vorrang, wenn sie mit Maschine, Werkzeug und Material eingemessen wurden.

Der Rechner bestimmt die gestreckte Länge einer 90-Grad-Kantung aus zwei Außenmaßen, Blechdicke und Innenbiegeradius. Er rechnet über die neutrale Faser und zeigt sowohl den CAD-K-Faktor als auch den dazugehörigen DIN-6935-k-Wert an.

Der Biegewinkel ist bewusst auf 90 Grad festgesetzt. Der Grund ist die aktuelle Quellenlage, nicht die Geometrie selbst: Für den 90-Grad-Fall ist die Rechenprobe verifiziert; für andere Winkel ist die vollständige DIN-6935-/Beiblatt-Geometrie im frei zugänglichen Quellenstand nicht zitierfähig belegt.

Die wichtigste Eingabefalle steht direkt am Anfang: CAD-K-Faktor und DIN-6935-k sind nicht dieselbe Zahl. Es gilt:

K_CAD = k_DIN / 2

CAD-Programme beziehen den K-Faktor auf die ganze Blechdicke und arbeiten typischerweise mit Werten etwa zwischen 0,3 und 0,5. DIN 6935 beschreibt den Faktor als Korrektur zur halben Blechdicke; die belegte Spanne liegt bei 0,65 bis 1,0. Wer einen DIN-Wert wie 0,8 direkt als CAD-K-Faktor einträgt, setzt die neutrale Faser doppelt so weit nach aussen.

Der Ratgeber Blechabwicklung und K-Faktor richtig anwenden erklärt die Herleitung. Die Tabelle K-Faktor nach Biegeradius zeigt die geprüften Stützwerte für r/s.

Die FAQ K-Faktor: Warum weicht CAD vom DIN-Wert ab? fasst diese Umrechnung als eigenen Vertrauenscheck zusammen, warnt vor dem Verdopplungsfehler beim direkten Übertragen eines DIN-Werts in CAD-Software und ordnet die Winkelbegriffe ein.

Eingaben

Die beiden Schenkelmaße werden als Außenmaße bis zur gedachten scharfen Ecke eingegeben. Das ist die Schreibweise der DIN-6935-Formel für den Ausgleichswert. Innenmaße oder bereits verkürzte gerade Schenkel führen zu einem falschen Zuschnitt.

Die Blechdicke s und der Innenbiegeradius r bestimmen das Verhältnis r/s. Daraus leitet der Draft den DIN-6935-k-Wert ab und halbiert ihn für den CAD-K-Faktor. Ein eigenes K-Faktor-Feld ist nur für eingemessene Werkstattwerte gedacht, zum Beispiel wenn Material, Werkzeug, Maschine und Biegeverfahren wiederholt geprüft wurden.

Der Biegewinkel steht in der Eingabe als festes 90-Grad-Feld. Abweichende Werte werden vom Rechner abgelehnt, bis die Winkelbereiche aus DIN 6935 beziehungsweise Beiblatt 1/2 am Normvolltext verifiziert sind.

Ergebnis richtig lesen

Die gestreckte Länge ist das Zuschnittmaß entlang der neutralen Faser. Zusätzlich zeigt der Rechner die Biegezugabe BA, den Ausgleichswert v, den verwendeten CAD-K-Faktor K und den entsprechenden DIN-Wert k.

Bei Außenmaßen a = b = 10 mm, Blechdicke s = 1 mm, Innenradius r = 1 mm und 90 Grad lautet die belegte Rechenprobe:

r/s = 1
k_DIN = 0,65
K_CAD = 0,325
BA = 2,0813 mm
v = -1,9187 mm
gestreckte Laenge = 18,0813 mm

Der negative Ausgleichswert ist kein Fehler. Die Außenmaße enthalten die gedachte scharfe Ecke; beim Abwickeln wird dieser Überstand durch v korrigiert.

Weiterrechnen: Die gestreckte Länge ist eine passende Eingabe für den Werkstoffgewicht-Rechner, wenn aus dem Zuschnittmaß das Blechgewicht abgeschätzt werden soll.

Rechenweg über die neutrale Faser

Der Rechner nutzt die CAD-Schreibweise der Biegezugabe:

BA = (pi / 180) x 90 Grad x (r + K_CAD x s)

Die geraden Schenkel ergeben sich aus den Außenmaßen:

gerade A = a - (r + s)
gerade B = b - (r + s)
gestreckte Laenge = gerade A + gerade B + BA

Dieselbe Rechnung lässt sich in DIN-6935-Schreibweise über den Ausgleichswert darstellen:

v = BA - 2 x (r + s)
gestreckte Laenge = a + b + v

Der DIN-k-Wert wird aus r/s abgeleitet:

k_DIN = 0,65 + 0,5 x log10(r/s)   fuer r/s < 5
k_DIN = 1                         fuer r/s >= 5
K_CAD = k_DIN / 2

Damit stimmen DIN-Ausgleichswert und CAD-Bend-Allowance im geprüften 90-Grad-Fall auf vier Nachkommastellen überein. Diese Übereinstimmung darf nicht auf andere Winkel übertragen werden.

Grenzen der Rechnung

Der Draft ist ein Rechen- und Plausibilitätswerkzeug für einfache Kantteile. Er ersetzt keine Fertigungsfreigabe, keine Biegetabelle der eigenen Maschine und keine Prüfung der Zeichnung.

Nicht abgedeckt sind Mindestbiegeradien je Werkstoff, Rissgefahr, Walzrichtung, Rückfederung, Werkzeugöffnung, Prägen statt Freibiegen und mehrfache Biegungen mit Aufmaß-/Toleranzkette. Besonders bei r/s < 0,5 verlangt die Spezifikation einen Warnhinweis: Der Innenradius ist dann sehr klein im Verhältnis zur Blechdicke, und Mindestbiegeradius sowie Rissgefahr sind noch nicht hinterlegt.

Andere Biegewinkel sind bewusst nicht abgedeckt. Die Verifikation vom 27.08.2026 stützt die Grundkonvention aus zugänglichen Quellen mit Normbezug: DIN 6935 arbeitet auf der Ausgleichswertseite mit dem Öffnungswinkel zwischen den Schenkeln. CAD- und Biegezugabe-Formeln nutzen dagegen oft den überstrichenen Bogenwinkel; dieser ist 180 Grad minus Oeffnungswinkel. Bei 90 Grad fallen beide Begriffe zusammen. Genau deshalb ist der 90-Grad-Fall geprüft, während andere Winkel bis zur Normvolltext-/Beiblatt-Prüfung gesperrt bleiben.

Einordnung

  • Data M Sheet Metal Solutions GmbH: „COPRA RF 2011 / COPRA CADFinder / COPRA SpreadSheet 2011”, Benutzerhandbuch, Abschnitt „Berechnung nach DIN Norm 6935” — Herstellerdokumentation, nicht frei abrufbar.

DIN 6935 und die Beiblätter wurden nicht im Volltext eingesehen oder nachgedruckt. Die Umrechnung K_CAD = k_DIN / 2 ist eine Konvention der CAD-Herstellerdokumentation, kein Normwert.

Quellen

  • DIN 6935:2011-10 mit Beiblatt 1 und Beiblatt 2 — Kaltbiegen von Flacherzeugnissen aus Stahl

    DIN Deutsches Institut für NormungNormRegelt den Ausgleichswert und den Faktor k für die gestreckte Länge beim Kaltbiegen von Stahl; Beiblatt 1 enthält die tabellierten k-Werte. Der Normtext ist kostenpflichtig und wurde für diesen Rechner nicht eingesehen — die verwendete Formel ist über die unten genannte Fachquelle belegt, die ihre Tabelle ausdrücklich aus dieser Norm herleitet. Bewusst ohne Verweis auf eine Shopseite, weil die Bestellseite den Inhalt nicht belegt.Abruf: 29.08.2026

  • Biegeverkürzung — Herleitung und k-Faktor-Tabelle nach DIN 6935

    Rainer Schlangen, evolutiontec-engineering.deFachliteraturDruckt die im Rechner verwendete Formel k = 0,65 + 0,5 · log(r/s) und die zugehörige Tabelle: r/s = 1 ergibt k = 0,65, r/s = 2 ergibt 0,80, r/s = 5 ergibt 1,00 — das belegt die Deckelung bei r/s größer oder gleich 5. Dazu der Satz: „Sie sind mit obiger Formel berechnet (siehe auch DIN 6935). Die Werte gelten jedoch nur für duktile mittelfeste Werkstoffe." Ebenda die Definition des k-Faktors als Lage der korrigierten neutralen Faser, aus der die Umrechnung K_CAD = k/2 auf die volle Blechdicke folgt.Abruf: 29.08.2026

  • Eingabegrenzen des eigenen K-Faktors und Übertragung auf Nichteisenwerkstoffe

    MetallToolsAnnahmeNicht belegt. Der zulässige Bereich 0,2 bis 0,6 für einen selbst eingemessenen CAD-K-Faktor ist eine interne Plausibilitätsgrenze. DIN 6935 gilt für Stahl; die Anwendung auf Aluminium, Kupfer oder Edelstahl ist Werkstattpraxis, aber nicht normgedeckt. Bei der Prüfung am 2026-08-29 fand sich dafür keine Fundstelle.Abruf: 29.08.2026

Häufige Fragen

Was ist der K-Faktor beim Blechabkanten?

Der K-Faktor beschreibt beim Blechabkanten die Lage der neutralen Faser innerhalb der Blechdicke. Auf dieser Faser wird die gestreckte Länge der Abwicklung gerechnet.

Beim Biegen wird die Innenseite des Blechs gestaucht und die Aussenseite gedehnt. Dazwischen liegt eine Schicht, die ihre Länge rechnerisch behält: die neutrale Faser. Der K-Faktor sagt, wie weit diese Schicht vom Innenradius entfernt liegt.

In CAD-Schreibweise steht die neutrale Faser bei:

neutrale Faser = r + K_CAD x s

r ist der Innenbiegeradius, s die Blechdicke. Ein CAD-K-Faktor von 0,4 bedeutet also: Die neutrale Faser liegt um 40 % der Blechdicke außerhalb des Innenradius.

Wichtig ist die Abgrenzung zum DIN-6935-k-Wert. Der DIN-Wert skaliert die halbe Blechdicke, nicht die ganze. Deshalb ist der CAD-K-Faktor nur halb so groß:

K_CAD = k_DIN / 2

Der Blechabwicklungsrechner für 90 Grad leitet den K-Faktor aus dem Verhältnis r/s ab. Die Tabelle K-Faktor nach Biegeradius zeigt die geprüften Stützwerte. Der Ratgeber Blechabwicklung und K-Faktor richtig anwenden erklärt den Rechenweg mit Außenmaßen und Biegezugabe.

Der Rechner ist aktuell auf 90-Grad-Kantungen begrenzt. Für andere Winkel fehlt im zugänglichen Quellenstand die zitierfähige Verifikation der vollständigen DIN-6935-/Beiblatt-Geometrie.

Einordnung

  • Data M Sheet Metal Solutions GmbH: „COPRA RF 2011 / COPRA CADFinder / COPRA SpreadSheet 2011”, Benutzerhandbuch, Abschnitt „Berechnung nach DIN Norm 6935” — Herstellerdokumentation, nicht frei abrufbar.

DIN 6935 und die Beiblätter wurden nicht im Volltext eingesehen oder nachgedruckt. Die Umrechnung K_CAD = k_DIN / 2 ist eine Konvention der CAD-Herstellerdokumentation, kein Normwert.

K-Faktor: Warum weicht CAD vom DIN-Wert ab?

CAD und DIN 6935 verwenden unterschiedliche Bezugsdicken für dieselbe Lage der neutralen Faser. Deshalb ist der CAD-K-Faktor halb so groß wie der DIN-6935-k-Wert.

In vielen CAD-Blechmodulen beschreibt K den Anteil an der ganzen Blechdicke:

neutrale Faser = r + K_CAD x s

DIN 6935 beschreibt den Faktor anders. Dort skaliert k die halbe Blechdicke:

neutrale Faser = r + k_DIN x s / 2

Daraus folgt:

K_CAD = k_DIN / 2

Der häufige Fehler ist das direkte Übertragen eines DIN-Werts in ein CAD-Feld. Ein DIN-6935-k-Wert von 0,8 gehört als CAD-K-Faktor 0,4 eingetragen. Wird stattdessen 0,8 als CAD-K-Faktor verwendet, liegt die neutrale Faser rechnerisch doppelt so weit von der Innenseite entfernt. Die Abwicklung wird dadurch zu lang.

Der Blechabwicklungsrechner zeigt deshalb beide Werte getrennt an: den verwendeten CAD-K-Faktor und den dazugehörigen DIN-Wert. Die Tabelle K-Faktor nach Biegeradius dokumentiert die geprüften Stützwerte, der Ratgeber Blechabwicklung und K-Faktor richtig anwenden ordnet die Formel in den kompletten Rechenweg ein.

Eine zweite CAD-/DIN-Falle betrifft die Winkelbenennung. Die Verifikation vom 27.08.2026 stützt aus zugänglichen Quellen mit Normbezug: DIN 6935 ist auf der Ausgleichswertseite über den Öffnungswinkel zwischen den Schenkeln zu lesen. CAD- und Biegezugabe-Formeln nutzen dagegen häufig den überstrichenen Bogenwinkel:

ueberstrichener Bogenwinkel = 180 Grad - Oeffnungswinkel

Bei 90 Grad sind beide Zahlen gleich. Für andere Winkel sind sie verschieden; der aktuelle Rechner berechnet deshalb nur den belegten 90-Grad-Fall. Die vollständige DIN-6935-/Beiblatt-Geometrie für weitere Winkel wurde nicht im Volltext verifiziert.

Einordnung

  • Data M Sheet Metal Solutions GmbH: „COPRA RF 2011 / COPRA CADFinder / COPRA SpreadSheet 2011”, Benutzerhandbuch, Abschnitt „Berechnung nach DIN Norm 6935” — Herstellerdokumentation, nicht frei abrufbar.

DIN 6935 und die Beiblätter wurden nicht im Volltext eingesehen oder nachgedruckt. Die Umrechnung K_CAD = k_DIN / 2 ist eine Konvention der CAD-Herstellerdokumentation, kein Normwert.

Ab welchem Biegeradius gilt die Abwicklungsformel nicht mehr?

Die Abwicklungsformel ist nicht mehr belastbar, wenn der Innenradius unter dem werkstoff- und verfahrensabhängigen Mindestbiegeradius liegt. Dann entscheidet nicht mehr nur Geometrie, sondern auch Rissgefahr, Stauchung und Rückfederung.

Der aktuelle Draft rechnet die gestreckte Länge einer 90-Grad-Kantung über Innenradius r, Blechdicke s und K-Faktor. Diese Rechnung setzt voraus, dass das Blech kalt gebogen werden kann, ohne dass die Aussenseite reißt oder die Innenseite unkontrolliert staucht.

Eine harte allgemeine Grenze gibt der Entwurf nicht aus, weil sie ohne Werkstoff, Walzrichtung, Werkzeugöffnung und Biegeverfahren nicht belegbar wäre. Der Rechner warnt aber bei r/s < 0,5: Der Innenradius ist dann sehr klein im Verhältnis zur Blechdicke, und Mindestbiegeradius sowie Rissgefahr sind im Datenmodell noch nicht hinterlegt.

Praktisch heißt das: Für einfache Plausibilitätsrechnungen einer 90-Grad-Kantung oberhalb eines freigegebenen Mindestbiegeradius ist die Formel geeignet. Für andere Winkel, enge Kanten, risskritische Werkstoffe, Sichtteile oder Serienfreigaben braucht es die Biegetabelle der eigenen Maschine, Materialdaten und eine Prüfung am realen Werkzeug.

Der Blechabwicklungsrechner für 90 Grad zeigt die geometrische Länge. Der Ratgeber Blechabwicklung und K-Faktor richtig anwenden erklärt die Grenzen der Rechnung und die Rolle der neutralen Faser.

Einordnung

  • Data M Sheet Metal Solutions GmbH: „COPRA RF 2011 / COPRA CADFinder / COPRA SpreadSheet 2011”, Benutzerhandbuch, Abschnitt „Berechnung nach DIN Norm 6935” — Herstellerdokumentation, nicht frei abrufbar.

DIN 6935 und die Beiblätter wurden nicht im Volltext eingesehen oder nachgedruckt. Die Umrechnung K_CAD = k_DIN / 2 ist eine Konvention der CAD-Herstellerdokumentation, kein Normwert.