Kernloch beim Schneiden oder Furchen: Was ist anders?

Beim Gewindefurchen ist das Kernloch größer als beim Gewindeschneiden, weil der Furcher Material verdrängt statt Späne zu schneiden. Ein Schneidgewindebohrer braucht genug Material für die Gewindeflanken, muss dieses Material aber abtragen können. Ein Gewindeformer presst die Flanken dagegen aus dem vorhandenen Werkstoff.

Für metrische Regelgewinde beim Schneiden nutzt der Gewinde-Kernloch-Rechner die einfache Beziehung D - P: Nenndurchmesser minus Gewindesteigung. M8 ergibt rechnerisch 6,75 mm; der bevorzugte Bohrer im Referenzdatenbestand ist 6,80 mm.

Beim Furchen wäre derselbe Bohrer zu klein. Der Rechner nutzt dafür die im Quellenabgleich belegte Hersteller-/Praxisformel:

Kernloch Furchen = D - 0,5 x P + 0,05

Der Wert ist bewusst als Praxiswert beschrieben, nicht als DIN-Punktwert. Gewindeformer unterscheiden sich je Hersteller, Werkstoff, Schmierung und Bauteilanforderung. Für Serienfertigung, schwer formbare Werkstoffe oder sicherheitsrelevante Bauteile sollte deshalb die Herstellerangabe zum konkreten Furcher führen.

Der Ratgeber Kernlochdurchmesser für Gewinde richtig wählen ordnet Schneiden, Furchen, D1 und Bohrerrundung zusammen ein. Die Kurzdefinition steht im Glossar unter Kernlochdurchmesser.

Einordnung

Der Normtext wurde nicht im Volltext eingesehen. Die Formel für das größere Furch-Kernloch ist ein Hersteller- und Praxiswert, kein Normwert — verbindlich ist die Angabe des Werkzeugherstellers.

Quellen